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Magazin Abgasskandal

Trickserei mit “Thermofenstern” – Das müssen Diesel-Käufer jetzt wissen

Hamburg, den 31.01.2020


Erst war es nur eine, nun sind es schon zwei: Die Zulässigkeit einer weiteren Abschalteinrichtung in Diesel-Fahrzeugen steht auf dem Prüfstand, diesmal vor dem höchsten europäischen Gericht. Die Automobilhersteller sind im Abgasskandal mit einem weiteren Kniff aufgeflogen: Es geht um die Manipulation der ausgestoßenen Abgase durch sogenannte “Thermofenster” bei Diesel-Fahrzeugen im normalen Straßenbetrieb.

Der schwedisch-chinesische Autobauer Volvo steuerte bisher scheinbar unberührt durch den Skandal um manipulierte Diesel. Doch der hat seine weiße Weste nun womöglich ebenso besudelt wie viele andere Hersteller auch. Volkswagen (VW), Daimler, BMW – die großen deutschen Automobilriesen haben ihr Image durch illegale Abschalteinrichtungen in Diesel-Fahrzeugen riskiert und sind aufgeflogen. Doch nun tut sich durch die “Thermofenster” eine neue Dimension des Abgasskandals auf.

Und die könnte nicht nur hunderttausende Diesel-Fahrzeuge jenseits der Volvo-Marke betreffen, sondern zudem auch ein weiteres, ernsthaftes Problem für den Volkswagen-Konzern und sogar die Bundesregierung werden. Das legt zumindest ein (bisher noch nicht rechtskräftiges) Urteil des Landgerichts Düsseldorf zu einem VW-Tiguan nahe. Im Laufe des Prozesses, der sich eigentlich um das umstrittene Softwareupdate drehte, kam jetzt heraus: Allem Anschein nach funktioniert die Abgasrückführung, mit der in den betroffenen Motoren von VW gefährliche Stickoxide minimiert werden sollten, nur bei schönem Wetter. Der Grund: Die “Thermofenster”.

Neueste Untersuchungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) bestätigen die temperaturbasierte Abschaltfunktion, die in Diesel-Fahrzeugen verschiedenster Marken Anwendung findet. Die Recherchen liefen unter der Feder des zur Deutschen Umwelthilfe zählenden “Emissions-Kontroll-Instituts” (EKI), das sich von einem Team des Bayerischen Rundfunks und des Spiegel-Verlags begleiten ließ.

Den brandaktuellen Erkenntnissen zufolge gibt es deshalb wohl tatsächlich Anlass auch an den Beteuerungen des Herstellers Volvo zu zweifeln. Der hatte immer wieder betont, keine unzulässigen Abschalteinrichtungen in seinen Diesel-Fahrzeugen zu verbauen. Doch die Wahrheit sieht wohl anders aus.

Wie funktioniert die Manipulation von Abgaswerten über ein Temperaturfenster?

Das erschreckende Ergebnis des Straßentests mit einem Volvo-Geländewagen vom Typ XC60, in dem ein 2.0-Liter-Motor der Schadstoffklasse Euro 5 verbaut ist: Thermofenster bewirken, dass sich die Abgasreinigung in Diesel-Modellen bei Temperaturen unter 15 und über 33 Grad abschaltet. Laut des Gerichtsurteils aus Düsseldorf ist das Beschränkung auf ein "Temperaturfenster", in dem die Abgasreinigung eingeschaltet ist, unzulässig. Doch das war noch nicht alles, denn die neue Abgasmessung ergab auch, dass das Ergebnis teilweise zwölffach über dem vorgeschriebenen Grenzwert liegt!

Die Messungen bringen die "Thermofenster" also massiv in Verruf. Jetzt muss gerichtlich in möglichst hoher Instanz geprüft werden, ob Diesel-Motoren die Abgasreinigung bei kalten oder sehr warmen Temperaturen einfach einstellen dürfen.

Jürgen Resch, Geschäftsführer Deutsche Umwelthilfe, sagte dem Berliner Sender rbb im Interview was ihn und seinen Kollegen, die bei dem Volvo-Test dabei waren, besonders erschreckt hat: “Bei winterlichen Temperaturen oder Temperaturen wie wir sie ab Oktober wieder zu erwarten haben, die Werte sogar höher sind als die wir gemessen haben vor dem Software-Update im Sommer."

Dieselmotoren erneut im Visier: Jetzt prüft der EuGH die Thermo-Abschaltung

Neben des Experten aus dem Volvo-Test bestätigt auch Prof. Martin Führ, Verwaltungsrechtler an der Hochschule Darmstadt, das Urteil der Düsseldorfer Richter gegen VW im TV. Er meint der Begriff “Thermofenster” verschleiere einfach nur den Umstand, dass eine Abgasreinigung im Fahrzeug abgeschaltet würde. Das Thermofenster sei auch eine Abschalteinrichtung und die seien verboten.

Das schreibt das europäische Recht eigentlich auch so vor. Damit müssten Abschalteinrichtungen in Fahrzeugen generell verboten sein. Warum wird dann darum gestritten, dass die Abgasreinigung in Autos nicht eingeschränkt werden darf?

Die Argumentation der Autobauer: Das Thermofenster hilft den Motor vor Schäden zu schützen. Und damit haben sie womöglich ein rechtliches Schlupfloch gefunden. VW hat im Düsseldorfer Fall bereits offiziell Berufung gegen das Urteil aus erster Instanz eingelegt und verweist auf eben jene “Motorschutzklausel”. Die Klausel besagt im Wortlaut, dass eine Abschaltung immer dann ausnahmsweise erlaubt ist, wenn sie nötig ist, “um den Motor vor Beschädigung (…) zu schützen".

Also nimmt sich nun der Europäische Gerichtshof (EuGH) der “Thermofenster”-Frage an. Ergebnis: offen.

Was Diesel-Besitzer jetzt tun sollten

Wollen Sie wissen, ob auch Ihr Auto ein Schummel-Diesel ist? Nach myRight Informationen sieht es aktuell danach aus, dass neben Fahrzeugen und Geländewagen mit der Schadstoffklasse Euro 5 und 6 besonders auch Diesel-Fahrzeuge, in denen ein EA288 Motor verbaut ist, die Abgasreinigung bei besonders niedrigen und hohen Temperaturen unterbrechen. Damit sind neben dem Volvo-Modell aus dem Straßentest aller Wahrscheinlichkeit nach überwiegend Autos der Marken Volkswagen, Skoda, Seat und Audi betroffen.

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Bild: © Tomasz Zajda – stock.adobe.com

Sinah Vonderweiden

Sinah Vonderweiden

Redakteurin und PR-Beauftragte bei myRight

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