VW Dieselskandal fordert erstes Opfer – Ingenieur in den USA zu mehrjähriger Haft verurteilt

Eigentlich galt der Konzerningenieur James Robert Liang im VW Dieselskandal des Wolfsburger Konzerns nicht als entscheidender Strippenzieher. Dennoch musste der Dieselfachmann seinen Posten räumen. Das US-Gericht ließ dabei keine Gnade walten und verurteilte Lang neben der Zahlung einer hohen Geldstrafe auch zu mehr als drei Jahren Haft. „Das Urteil gegen James Liang ist ein Paukenschlag und lässt für den deutschen Ex-VW-Manager Oliver Schmidt nichts Gutes ahnen. Verbraucher in Deutschland profitieren von dem Urteil, denn die US-Justiz weist minutiös nach, wer wann was bei VW wusste. Damit werden Schadensersatzklagen gegen den VW-Konzern auch in Deutschland weiter vereinfacht.“ sagt Jan-Eike Andresen, Leiter der Rechtsabteilung von myRight. Mit Hilfe von myRight machen über 30.000 Betroffene des Abgasskandals in Deutschland Ihr Recht auf Schadensersatz geltend. myRight arbeitet mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammen, die bereits den Vergleich mit VW im Abgasskandal in den USA mit ausgehandelt hat. Den ebenfalls in den USA einsitzenden VW-Manager Oliver Schmidt hatte myRight über die Kanzlei Hausfeld in den USA im Gefängnis vernehmen lassen, um Erkenntnisse für Gerichtsverfahren in Deutschland gewinnen zu können.

Früherem Diesel-Spezialisten kommt VW Dieselskandal teuer zu stehen

Mit großem Entsetzen dürfte die Konzernspitze des deutschen Autobauers das Urteil des US-Gerichts in Detroit zu James Liang zur Kenntnis genommen haben. Selbst die Staatsanwälte wirkten fassungslos, zumal der Richter Sean Cox den Beklagten VW-Mitarbeiter noch strenger bestrafte, als sie es während des Prozesses verlangt hatten. Anstelle der 36 Monate lautet die Haftstrafe auf 40 Monate. Darüber hinaus muss James Robert Liang wegen dem VW Dieselskandal 200.000 US-Dollar in die Staatskasse einzahlen – zehnmal so viel wie die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Mit diesem ersten Urteil gegen einen Mitarbeiter der Wolfsburger Autoschmiede beginnt im VW Dieselskandal ein neues Kapitel. Nachdem der Autobauer in der Dieselgate-Affäre mit Milliardenzahlungen einen Schlussstrich unter den Schadenersatzforderungen von US-Kunden ziehen konnte, sollen nun auch die vermeintlichen Drahtzieher zur Rechenschaft gezogen werden. Sämtliche von der Verteidigung angebrachten Argumente konnten Liang nicht dazu verhelfen, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen.

Lang gibt umfassendes Geständnis zum VW Dieselskandal ab

Entgegen der Ansicht der Strafverfolger, sah das Gericht in James Robert Liang einen der Hauptverantwortlichen im VW Dieselskandal. Der 63 Jahre alte Konzerningenieur stand seit über drei Jahrzehnten in den Diensten des VW-Konzerns und war in Amerika maßgeblich an der Einführung des sogenannten „Clean Diesel“ involviert. Er war insbesondere auch Leiter einer Abteilung im kalifornischen Newsbury Park. Hier sollen die Abgastests des VW-Dieselmotors EA 189 mit Hilfe einer Software manipuliert worden sein. Nachdem ihm die US-Umweltbehörden seit rund einem Jahr auf den Fersen waren, gab Liang im September 2016 ein umfassendes Geständnis zum VW Dieselskandal ab. So gab er den Ermittlern gegenüber zu, beim Einbau illegaler Software mitgewirkt zu haben. Alles in allem gewährte der angeklagte Ingenieur der US-Regierung Einsichten aus erster Hand in die rechtswidrigen Motivationen und Grundsätze des deutschen Autobauers und seiner Beschäftigten. Den Konzern beschrieb Liang als einen Marktakteur, der zu Gunsten von Profit und Marktanteilen seine ethische Verantwortung verloren habe. Sein umfangreiches Bekenntnis führte unter anderem dazu, dass frühere Vorgesetzte und Kollegen wegen dem VW Dieselskandal ebenfalls teils schwer belastet wurden.

Hochrangige VW-Beschäftigte bangen um noch strengere Sanktionen

Aufgrund dieser Aussagen erhob die amerikanische Justiz Strafanzeigen gegen weitere sieben ehemalige sowie amtierende Beschäftigte von VW. Darunter auch Oliver Schmidt, den myRight mit Hausfeld verhört hatte und der in den USA seit Januar in Untersuchungshaft sitzt. Oliver Schmidt hat inzwischen ein Schuldgeständnis zum VW Dieselskandal abgegeben. Dem 48-Jährigen, der bei VW seit 2015 für Umweltfragen zuständig war, drohen wegen dem VW Dieselskandal noch schwerwiegendere Konsequenzen. Experten gehen von Geldstrafen von bis zu einer halben Million sowie von einer Haftstrafe von sieben Jahren aus. Auch Bernd Gottweis, früherer VW-Manager und Leiter des Ausschusses für Produktsicherheit beim Autohersteller, ist als Beschuldigter in das Visier der deutschen Ermittlungsbehörden geraten. Gottweis erhob dabei schwere Vorwürfe gegen den früheren VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn. Dieser will jedoch deutlich später von den Manipulationen erfahren haben.

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