Verweigert jetzt der TÜV die Plakette bei Abgasskandal-Autos? Wie der TÜV Nord sich selbst dementierte

Widersprüchliche Meldungen des TÜV Nord haben heute zu Verwirrung bei Betroffenen des Abgasskandals geführt.
Der TÜV Nord kündigte zunächst an, allen Haltern eines Autos mit „Schummelsoftware“, die das Softwareupdate nicht machen lassen, die TÜV-Plakette zu verweigern: „Eine Plakette wird nicht erteilt, wenn ein Autofahrer nicht nachrüsten lässt“, sagte TÜV-Nord-Sprecher Rainer Camen. Muss der betroffene Kunde die Umrüstung nun doch verpflichtend durchführen?

Am Nachmittag rudert der Sprecher zurück: Der TÜV Nord wolle die Plakette nun doch ausgeben. In einer Erklärung heißt es: „Der Gesetzgeber hat bislang keine Regelung zum Umgang mit nicht umgerüsteten Fahrzeugen beschlossen. Insofern erteilt TÜV Nord – wie alle anderen Prüforganisationen auch – die Plakette weiter, bis der Gesetzgeber über das weitere Verfahren entschieden hat.“ Die Grundlage einer solchen Entscheidung sei „allein eine gesetzliche Regelung“.

Doch was bedeutet das Chaos für die Verbraucher?
Niemand ist in Deutschland zu der Teilnahme an der Rückrufaktion des VW-Konzerns verpflichtet, die Aktion ist gänzlich freiwillig. Der Konzern ist jedoch dazu verpflichtet, die Umrüstung anzubieten.

Jan-Eike Andresen, Leiter der Rechtsabteilung bei myRight erklärt: „Die Nachrüstung ist unzumutbar, weil die langfristigen Folgen noch unbekannt sind. Der VW-Konzern übernimmt keinerlei Garantie darauf, aus dem Update resultierende Schäden zu übernehmen.“ Auch die von myRight zuletzt vorgestellten Urteile der Landgerichte München II, Potsdam und Hildesheim weisen in diese Richtung: Das Update ist für die Kunden untragbar.

Fazit: Vom Abgasskandal betroffene Verbraucher sollten das Softwareupdate weiterhin nicht machen lassen. Erst wenn VW eine entsprechende Garantie gibt oder wenn die Politik tatsächlich die Umrüstung verpflichtend für alle in Deutschland einführt, sollten Verbraucher neu entscheiden. Übrigens: Die Teilnahme an der VW-Rückrufaktion bleibt kostenlos, auch wenn Verbraucher erst später teilnehmen.

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/wirtschaft/dieselaffaere-tuev-nord-50090356.bild.html
http://www.heute.de/tuev-nord-rudert-zurueck-dieselfahrzeuge-mit-schummel-software-bekommen-nun-doch-eine-plakette-bei-der-hauptuntersuchung-46471814.html

Kommentar schreiben  

Schreiben Sie einen Kommentar:

Kommentare:

Stephan
17. März 2018 um 14:23 Uhr

Nach Rücksprache mit dem Prüfer von KÜS:
Mein Skoda Octavia (Teilnehmer bei Ihrer Sammelklage) ist im Mai 2018 zur HU fällig – nach Rücksprache mit dem KÜS-Prüfer habe ich die Information erhalten, dass mir ohne Softwareupdate die Plakette verweigert wird. Wie kann es sein,
dass ich nach den Betrug von VW auch noch vom Kraftfahrtbundesamt genötigt und erpresst werde?
Das ist Betrug mit staatlicher Unterstützung!
Ich möchte weder das Softwareupdate noch eine sonstige Nachbesserung – die VW AG soll mir einfach den Wagen abkaufen und kann dann damit machen, was sie will. Ich werde anschließend einen Japaner kaufen und NIE WIEDER EIN DEUTSCHES FAHRZEUG!
Wie bekomme ich ohne Update meine HU-Plakette? Oder muss ich mein Fahrzeug stilllegen lassen?
Ich fühle mich schlecht informiert und bitte um Rückmeldung.

anon
26. Juli 2017 um 18:15 Uhr

TÜV Süd hat mich diese Tage noch ohne Software-Update mit neuer Plakette ziehen lassen, Touran 2.0 TDI

Aber:
Das Kraftfahrt-Bundesamt droht nach Recherchen der ZEIT Besitzern von VW-Dieselfahrzeugen mit dem Entzug der Zulassung. Diese müssen ein Update durchführen lassen.
http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-07/vw-dieselskandal-kraftfahrtbundesamt-zulassungserlaubnis

Wiedemann
8. März 2017 um 08:42 Uhr

•TÜV NORD Website
https://www.tuev-nord-group.com/de/newsroom/aktuelle-pressemeldungen/details/article/informationen-fuer-autofahrer-von-umzuruestenden-vw-fahrzeugen/

Informationen für Autofahrer von umzurüstenden VW-Fahrzeugen
Mobilität | 6. Februar 2017
In den vergangenen Tagen gab es in vielen Medien eine umfangreiche Berichterstattung über die Bewertung von VW-Fahrzeugen, die nach Ende des Umrüstungszeitraums zur Hauptuntersuchung vorgestellt werden.
TÜV NORD gibt Autofahrern von umzurüstenden VW-Fahrzeugen folgende Hinweise:
1.Der Hersteller informiert die betroffenen Kunden über die Umrüstung/ Nachrüstung seines Fahrzeugs und gibt einen Zeitrahmen dafür vor. Abhängig vom Fahrzeugmodell kann dieser Zeitraum unterschiedlich sein.
2.Die betroffenen Autofahrer haben keine Probleme bei der HU, wenn sie die Vorgaben des Herstellers erfüllen.
3.Wenn jemand sein Fahrzeug vorführt, bevor der Hersteller mit der Umrüstung beginnt, wird die Plakette erteilt.
4.Wenn jemand sein Fahrzeug zur HU vorführt, bevor der Umrüstungszeitraum abgeschlossen ist, wird die Plakette erteilt.
5.Wenn jemand die Umrüstung nicht vornimmt, obwohl dazu aufgefordert wurde, so wird bei HU nach Ablauf der Umrüstungsfrist ein erheblicher Mangel festgestellt und keine Plakette erteilt. Dann gelten für die Behebung des Mangels die Regelungen der HU.
6.Wenn sich jemand weigert, die Umrüstung vorzunehmen, dann ist das ein Fall für die Behörden und nicht für die Prüfstelle.
Diese sind notwendig, damit die Regelung, zunächst für den Amarok, starten kann. Die Regelungen gelten für alle Prüforganisationen gleichermaßen.
TÜV NORD GROUP, Am TÜV 1, 30519 Hannover, +49 511 998-0
© TÜV NORD GROUP