Nach dem Fahrverbote-Urteil: „Volkswagen muss sich seiner Verantwortung stellen“

Volkswagen muss sich seiner Verantwortung im Abgasskandal stellen und 2,7 Millionen in Deutschland zugelassene Schummeldiesel zurücknehmen, erklärt Christopher Rother, Managing Partner der Kanzlei Hausfeld in Berlin. In einem Gastbeitrag für myRight erklärt er, was der Grund für seine  Forderung ist.

„Nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. Februar 2018 können in Großstädten, in denen die seit 2010 geltenden Stickoxidgrenzwerte nicht eingehalten werden, ganzjährige Fahrverbote für alle Kraftfahrzeuge mit Dieselmotoren unterhalb der Schadstoffklasse Euro 6 verhängt werden. Nach Einschätzung des Bundesveraltungsgerichts können solche ganzjährigen Fahrverbote erforderlich sein, um eine Einhaltung der nach EU Recht geltenden Grenzwerte schnellstmöglich zu gewährleisten.

Von solchen Fahrverboten wären in Deutschland insgesamt 9 Millionen Dieselfahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 4 und 5 betroffen, einschließlich der 2,7 Millionen in Deutschland zugelassenen Schummeldiesel der Marken Volkswagen, Audi, Seat und Skoda. Die illegale Abschalteinrichtung, die von VW in Dieselmotoren der Baureihe EA 189 eingebaut wurde, führt dazu, dass die Schadstoffemissionen der betreffenden Dieselfahrzeuge im normalen Verkehrsbetrieb die nach EU Recht zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches übersteigen. Die Schummeldiesel des VW Konzerns haben also einen ganz wesentlichen Anteil daran, dass die geltenden Stickoxidgrenzwerte in Städten wie Stuttgart, Düsseldorf oder München in den vergangenen Jahren nicht eingehalten werden konnten.

Volkswagen stellt sich bis heute nicht seiner Verantwortung für den Abgasskandal. Das von VW angebotene Software-Update löst das Problem selbstverständlich nicht. Denn nach des Feststellungen des Kraftfahrt-Bundesamt genügen die Fahrzeuge auch nach dem Update nicht den Anforderungen der Schadstoffklasse Euro 6, und zwar noch nicht einmal auf dem Rollenprüfstand. Die für die Kfz.-Zulassung zuständigen Bundesländer müssen daraus endlich die Konsequenzen ziehen und die betreffenden Schummeldiesel ohne weiteres Zuwarten stilllegen. Nur mit einem konsequenten Vorgehen gegen die Schummeldiesel des VW Konzerns lassen sich ganzjährige Diesel-Fahrverbote in den großen Städten noch vermeiden.

Die vom Dieselbetrug betroffenen Kunden können von Volkswagen im Falle einer zwangsweisen Stilllegung von VW die Rücknahme ihrer Fahrzeuge gegen volle Erstattung des gezahlten Kaufpreises verlangen. Da gibt es kein Vertun. Mit Blick auf die heutige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts können sich die Bundesländer nicht weiter zu Komplizen des VW-Konzerns machen und mit den längst  überfälligen Maßnahmen bis zum nächsten Jahr zuwarten. Denn dann wären die Ansprüche der Kunden gegen Volkswagen als Hersteller der Schummeldiesel bereits verjährt.“

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Kommentare:

Sonja S.
22. März 2018 um 17:04 Uhr

Ich bin 52 Jahre und fahre seitdem ich 18 Jahre alt bin VW. Mindestens 30 Jahre habe ich hoffentlich noch vor mir. Ich freue mich auf die E-Autos, die bald aus Asien importiert werden.

Alle Hoffnung setze ich in die 1.Sammeklage von myright.

Markus L.
17. März 2018 um 13:51 Uhr

Ich verstehe das nicht!
Bin selber betroffen, habe einen Skoda mit 1.6 TDI von 2013.
Beim Kauf des Fahrzeuges habe ich mich für den Skoda anstatt für den Ford entschieden weil der Skoda ja Euro 5 hat und der Ford Euro 4.
Warum sollte wie oben geschrieben die VW Motoren jetzt nach dem Update ( was ich schon gemacht habe) die Euro 6 NOrm erfüllen? Macht doch gar keinen Sinn!
Man kann doch froh sein wenn die Euro 5 Norm erhalten bleibt nach dem Update!

DIe Fahrzeuge werden nie im Leben stillgelegt und wenn überhaupt bekommt man nur eine Entschädigung für den Wertverlust und selbst dann kann man davon noch 35% an My Right bezahlen.

Ich würde es mir natürlich anders wünschen und das Fahrzeug wieder zurückgeben und den Kaufpreis erhalten,
aber so sieht die Realität für mich aus

Nico H.
13. März 2018 um 10:11 Uhr

Es wird Zeit, dass die Regierung(en) sich endlich mal gegen die Macht der Automobilkonzerne und deren Lobby stemmen und den Verbrauchern mehr Schutz vor solchen Betrügereien eingeräumt werden.

Wir hatten uns schon zur 1. Sammelklage angeschlossen und sind seit dem BVG Urteil guter Dinge, dass die Judikative sich richtig entscheidet und zu Gunsten der Betroffenen entscheidet!

Es wird Zeit, dass die Großkonzerne nicht schalten und walten Können wie sie wollen und die Kunden dabei auf der Strecke bleiben. Wer das Gesetz beugt muss mit Konsequenzen rechnen und zur Verantwortung gezogen werden.

Natürlich versucht ein Vorstandsboss (wie Herr M. von VW) auf dem Genfer Autosalon zuversichtlich zu wirken und will das sehr stark beschädigte Image der Marken VW und deren Töchter wieder aufpolieren, aber in Interviews nur auf die zukünftige Ausrichtung hinzuweisen und ihm bei heiklen Fragen rund um den Diesel der Kamm schwillt, ist meiner Meinung nach nicht tranzparent und Kunden orientiert. VW versucht das Debakel mit allen Mitteln runterzuspielen und unsere Regierung(en) schauen dabei zu. So kann das nicht weitergehen. Ich drücke euch die Daumen, die Sammelklage erfolgreich durch zubringen!!!

Nico H.

    Stephan
    17. März 2018 um 14:34 Uhr

    Ich fürchte hier wird sich nichts ändern… Man beißt nicht die Hand, die einen füttert – und solange unsere Politiker in Aufsichtsräten sitzen und so eng mit der Wirtschaft verbunden sind – wird es keine Gerechtigkeit geben, warum auch
    schließlich hat VW ja tolle Verkaufszahlen und die Kasse klingelt auch ganz ordentlich.
    Ich habe meine Lektion gelernt und werde, wenn das Thema mit meinem Fehlkauf: Skoda Octavia TDI abgeschlossen ist einen Nissan oder Toyota kaufen, ich sch…. auf die deutsche Automobilindustrie – sollen sie doch alle den Bach runter gehen.

Schulz, M.
12. März 2018 um 19:25 Uhr

Eigentlich alles gesagt mit diesem Artikel! Ich fürchte allerdings, einem Ochs in’s Horn gepetzt, ergibt mehr Resonanz. Ich würde mich sehr gerne irren!