Hammer-Urteile: VW-Fahrer bekommen Kaufpreise fast vollständig zurück

Das Jahr 2017 begann mit einem Paukenschlag. myRight reichte die erste Musterklage gegen VW in Braunschweig ein. Ziel: VW soll dem Musterkläger den Kaufpreis erstatten.

Az. 3 O 139/16Und kaum war die Klage eingereicht, entschieden just die Landgerichte in Potsdam (Az. 6 O 211/16) und Hildesheim (Az. 3 O 139/16) im Ergebnis gemäss der Argumentation von myRight und den Vertragsanwälten der Kanzlei Hausfeld. Die jeweiligen Kunden bekommen den Kaufpreis ihrer „Schummeldiesel“ im Wesentlichen erstattet und geben im Gegenzug ihr Auto wieder ab.

Jan-Eike Andresen von der Onlineplattform myRight: „Wir haben seit unserem Start im Sommer 2016 zwei Sachen gesagt. Erstens: Jeder betroffene VW-Fahrer hat ein Recht auf Entschädigung. Zweitens: Die Entschädigung kann nur ein Rückkauf der betroffenen Fahrzeuge sein. Die Landgerichte in Potsdam und Hildesheim haben dies jetzt in bemerkenswerter Klarheit bestätigt. Die Urteile sind der Beweis, dass wir uns mit unserem deutschen Recht nicht verstecken brauchen oder gar neidisch in die USA schauen müssen. Wir müssen unser Recht nur anwenden. Es liegt an jedem einzelnen Verbraucher in Deutschland, sein persönliches Recht einzufordern – und nicht den Ammenmärchen des VW-Konzerns auf den Leim zu gehen.“

Interessant ist, dass beide Gerichte kein Blatt vor den Mund nehmen. Da es nicht auszuschließen sei, dass nach dem Update ein erhöhter Spritverbrauch zu messen ist, könne sich weder der Vertragshändler noch die Volkswagen AG auf die im Prozess vorgelegten Bestätigungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) berufen, so das Landgericht Potsdam. Eine Verbrauchsprüfung habe das KBA überhaupt nicht selbst vorgenommen und daher – so das Gericht – übernimmt „nicht einmal das Kraftfahrt-Bundesamt aufgrund eigener Erkenntnis Gewähr hierfür“.

Und das Landgericht Hildesheim legt nach: Dem Käufer sei durch die Manipulation „in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Art und Weise“ Schaden zugefügt worden. „Kein Kunde würde in Kenntnis der veränderten Software ein Auto erwerben“, sagte Richter Klöhn.

Volkswagen hat angekündigt, Berufung gegen das Urteil aus Hildesheim einlegen zu wollen.

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/abgas-skandal-bei-volkswagen-vw-muss-deutschen-klaeger-entschaedigen/19264284.html

http://www.wallstreet-online.de/nachricht/9218614-vw-skandal-landgericht-potsdam-verurteilt-vw-vertragshaendler-mehrverbrauchspruefung-seitens-kba-ausreichend-weiterverkauf-fehlende-zulassungsmoeglichkeit-schweiz

http://www.waz-online.de/VW/Aktuell/Urteil-im-Abgas-Skandal-Klaeger-bekommt-Auto-Kaufpreis-von-VW-zurueck

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Kommentare:

K. H.
13. Februar 2017 um 22:40 Uhr

Da hat ein deutsches Gericht endlich Recht gesprochen und sich nicht vom VW-Konzern einschüchtern lassen, wie unser Verkehrsminister und seine Lakaien. Ich werde als Betroffener des Abgasbetruges ebenfalls klagen, oder mich einer Sammelklage anschließen.

Spauke R.
31. Januar 2017 um 12:13 Uhr

ICH KANN NUR SAGEN BIN ZUR ZEIT IM STREIT MIT EINER VW WERKSTATT HATTE MEIN AUTO EINEN VW PASSAT DIESEL ZUM AUSTAUSCH DES NEUEN MOTORSTEUERGERÄTES IN DER WERKSTATT ES DAUERTE NUR EINE HALBE STUNDE FUHR NACH HAUSE AM NÄCHSTEN TAG WOLLTE ICH MIT MEINEM AUTO FAHREN ABER ES SPRANN NICHT EINMAL MEHR AN RIEF DIE WERSTATT AN SIE SCHLEPPTEN MEIN AUTO AB ERST AM NÄCHSTEN TAG KAM EIN ANRUF VON DER WERKSTATT REPERATURKOSTEN BETRÄGEN FAST 900: EURO DIE ICH BEZAHLEN SOLL JETZT WARTE ICH SCHON ÜBER 1 WOCHE AUF RÜCKRUF VON VW DENN ICH WERDE AUF KEINEN FALL DIESE KOSTEN BEZAHLEN HABE EIN GANZES AUTO IN DIE WERKSTATT GESCHAFFT UND BEKOMME EIN KAPUTTES AUTO ZURÜCK HABE SCHON 1 WOCHE KEIN AUTO JETZT REICHTS NUN SCHALDE ICH EINEN RECHTSANWALT EIN GROSSE SAUERREI

Ernst K.
31. Januar 2017 um 10:48 Uhr

In Ihren Ausführungen bis Dezember 2016haben Sie nicht wie heute von einer Umrüstung abgeraten,was mich veranlaßt hat,die Aufspielung der „neuen“ Software zu veranlassen.
Ich hoffe sehr, dass ich trotzdem das Recht der Rückgabe habe
Mit freunlichem Gruß E. Karrer

Michael L.
30. Januar 2017 um 18:57 Uhr

Guten Tag, nun bin ich etwas verwirrt. Sie empfehlen das Software Update nicht durchführen zu lassen? Welche Auswirkungen hat die Durchführung auf den Schadenersatzprozess? Bei meinem VW Touran 1.6 wurde das Update im Zuge einer Inspektion durchgeführt. Zuvor kam ein Brief von VW (Rückrufaktion)
Bisher konnten wir noch keine negativen Auswirkungen feststellen. Der Wagen braucht nicht mehr Diesel (nicht wirklich Messbar bei fast reinen Stadtfahrten) und weniger Leistung ist ebenfalls kaum feststellbar. Interessant ist eine Klage dennoch. Ich wurde von VW betrogen. Mit Wissen um die Betrugssoftware und die höhere Umweltbelastung hätte ich das Fahrzeug niemals gekauft. Machen Sie weiter so, lassen Sie nicht nach. VW muss für die Schäden geradestehen und auch eine Garantie für die Veränderungen am Fahrzeug übernehmen.
Beste Grüße
Michael Lamp

Holger B.
30. Januar 2017 um 18:27 Uhr

Rückrufaktion wegen NOx Abweichung. Ich habe mein VW Caddy in der Werkstatt bei VW AZF in Flensburg gehabt und habe nur noch Ärger damit. Ich war innerhalb einer Woche 3 mal in der Werkstatt und nichts hat sich verändert. Er hat keine richtige Leistung mehr und verbraucht viel mehr Diesel. Er klötert und klappert nur vor sich hin. Ich bin seit den unzufrieden.