Abgasskandal: US-Gericht verurteilt VW-Manager zu sieben Jahren Gefängnis

Betrugsopfer in Deutschland müssen weiterhin auf Entschädigung warten
Juristische Aufarbeitung des Abgasskandals im großen Stil steht noch aus

In den USA ist ein weiterer Volkswagen-Mitarbeiter wegen seiner Rolle im Abgasskandal zu einer harten Strafe verurteilt worden. Der ehemalige Leiter des US-Büros für Umweltfragen in den Vereinigten Staaten, Oliver Schmidt, ist von einem amerikanischen Gericht zu sieben Jahre Gefängnis und einer Geldstrafe von 400.000 Dollar verurteilt worden. Schmidt war ab 2015 in Wolfsburg in der Motorentwicklung in einer Task Force tätig, die die Fragen amerikanischer Ermittlungsbehörden beantworten sollte. Das Gericht sieht in Schmidt eine der Schlüsselfiguren beim Verschleiern des Betrugs. myRight hatte mit Hilfe von US-Anwälten Schmidt im Februar 2017 vernommen.

Schmidt ist nach James Liang der zweite VW-Mitarbeiter, der in den USA wegen seiner Rolle im Abgasskandal zu einer harten Strafe verurteilt worden ist. Dort lässt sich Volkswagen Vergleiche mit amerikanischen Behörden sowie mit Verbrauchern, Autohändlern und anderen Gruppen bislang rund 25 Milliarden Euro kosten.

„In den USA kann jeder Besitzer eines Betrugsdiesels sein Auto einfach zurückgeben und wird dazu noch entschädigt“, sagt Jan-Eike Andresen, Leiter der Rechtsabteilung und Mitgründer von myRight. „In Deutschland kommt Volkswagen bislang dagegen ohne eine große juristische Aufarbeitung des Abgasskandals davon.“

Hierzulande warten nach wie vor 2,6 Millionen Betroffene auf die gerichtliche Aufarbeitung des Abgasskandals und eine Entschädigung durch den Volkswagen-Konzern. Die Staatsanwaltschaften Braunschweig und München ermitteln, Anklagen wurden bislang nicht erhoben. Ex-Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz und Ex-Audi-Entwickler Giovanni Patio sitzen in Untersuchungshaft. „Der Konzern setzt darauf, dass er nur punktuell vor Gericht kommt und versucht, die Hürden bei einer Verbraucherklage in Deutschland zu seinen Gunsten auszunutzen“, sagt Jan-Eike Andresen. „Mit unseren Sammelklagen sorgen wir dafür, dass sich das Unternehmen nicht länger seiner Verantwortung entziehen kann.“

myRight berät mehr als 35.000 VW-Kunden in Prozessen um den Abgasskandal. Die Fälle von den ersten 15.000 Betroffenen, die ihre Ansprüche im Zuge des Abgasskandals an myRight abgetreten haben, wurden vor Kurzem gebündelt vor Gericht gebracht. Eine zweite Sammelklage ist für den Sommer 2018 geplant.

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