10 Fragen und Antworten zum Thema Diesel-Fahrverbote

Mensch gegen Maschine, Umwelt gegen Industrie – das Fahrverbote-Urteil hatte alles, was ein große Drama braucht.

Dramatisch sind nun aber auch die Auswirkungen der Entscheidung – vom Wertverlust bis zum Problem, Ziele mit dem Fahrzeug zu erreichen. Weil in vielen Städten die Schadstoffgrenzwerte überschritten werden, werden wohl in Kürze in vielen Städten Fahrverbote verhängt werden. Hamburg macht dabei den Anfang, entsprechende Verbotsschilder hat die Umweltbehörde bereits bestellt.

Welche praktischen Auswirkungen hat die Entscheidung nun aber ganz konkret? Wir erklären Ihnen, was Sie jetzt wissen müssen.

  1. Ist mein Fahrzeug von Fahrverboten betroffen?

Wenn Sie vom Abgasskandal betroffen sind, wird Sie ein Fahrverbot mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit betreffen. Von 15 Millionen Dieselautos sind nach der Entscheidung gut zehn Millionen, also zwei Drittel aller Fahrzeuge, betroffen.

Das Urteil gibt den Kommunen die Möglichkeit, ältere Diesel der Klassen Euro 1 bis Euro 4 sofort auszusperren. Euro-5-Fahrzeuge haben noch eine Schonfrist. Sie dürfen wohl nicht vor dem 1. September 2019 mit Verkehrsverboten belegt werden. Es handelt sich um Autos, die oft erst drei Jahre alt sind. Gerade für die Kunden von Euro-5-Dieseln, die oft als umweltfreundliches Verkehrsmittel verkauft wurden, ist das ärgerlich.

Ob auch Euro 6 Norm Fahrzeuge betroffen sind, ist derzeit noch unklar. Ausdrücklich ausgeschlossen wurden sie nicht von Fahrverboten.

  1. Wie finde ich heraus, welche Euro-Norm mein Fahrzeug hat?

Um zu ermitteln, welche Euro-Norm Ihr Fahrzeug hat, schauen Sie bitte in Ihren Fahrzeugschein. In diesem Artikel erfahren Sie genau, worauf Sie achten müssen: https://www.myright.de/abgasskandal/so-erkennen-sie-ob-ihr-fahrzeug-von-einem-fahrverbot-betroffen-ist/

  1. In welchen Städten drohen Fahrverbote?

Besonders akut ist das Thema in Düsseldorf und Stuttgart. Daneben sind jedoch auch zahlreiche weitere Städte, wie Frankfurt, Köln oder München mögliche Fahrverbots-Städte. Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass 25 der rund 70 Städte mit zu hohe Luftverschmutzungswerten Fahrverbote umsetzen müssen.

Alle der rund 70 betroffenen Kommunen müssen nach dem Urteil darüber entscheiden, ob sie Fahrverbote vorsehen müssen. Bewohner und Besucher dieser Städte müssen vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen damit rechnen, dass sie künftig nicht mehr wie gewohnt mit dem Auto ans Ziel kommen.

  1. Muss ich mein Fahrzeug sofort stehen lassen?

Derzeit müssen die Fahrzeuge noch nicht stehen gelassen werden. Fahrverbote müssen in den entsprechenden Städten in die Luftreinhaltepläne aufgenommen werden. Das kann in einigen Fällen auch noch Monate dauern.

Eine Garantie, dass es nicht doch aufgrund der hohen Schadstoffbelastung in den deutschen Städten schneller geht, ist dieser Schritt bei der verwaltungsrechtlichen Umsetzung aber nicht. Hamburg etwa will bereits ab April Fahrverbote für zwei Hauptverkehrsstraßen einführen.

  1. Wäre es wirklich ein Problem, wenn manche Innenstädte dicht sind?

Die 6.600 Kunden, die myRight befragt hat, gehen durchaus davon aus, dass die Probleme massiv sein werden. Sechs von zehn Dieselbesitzern (58,4%) fürchten nun, dass sie, wenn die Städte Fahrverbote umsetzen, Freunde und Verwandte nicht mehr besuchen könnten. 44,3% der Befragten geben an, dass sie in diesem Fall nicht mehr zu ihrer Arbeit fahren könnten. 40,9% warnen, dass sie ihren Arzt oder ihr Krankenhaus nicht mehr erreichen. Auch viele Behördentermine könnten nicht mehr wahrgenommen werden: 28,9% der Dieselbesitzer erklären, dass sie in so einer Situation mindestens eine wichtige Behörde nicht mehr aufsuchen können.

  1. Ich habe das Software-Update gemacht. Bin ich trotzdem betroffen?

Ja. Die Möglichkeit, Euro-5-Diesel auszusperren, besteht unabhängig davon, ob diese das Update vorgenommen haben oder nicht. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und andere Experten haben zudem massive Zweifel daran, dass das Update die Abgase so sehr reinigt, dass die Autos sauber genug fahren. Der ADAC fordert eine größere Hardware-Nachrüstung von Dieselfahrzeugen der Abgasnorm Euro 5.

  1. Wären Hardware-Nachrüstungen nicht eine Lösung?

Prinzipiell bieten einige Zulieferer Hardware an, mit der man den Schadstoffausstoß der Euro-5-Diesel stark reduzieren kann, Diese kosten allerdings zwischen 1.300 und über 3.000 Euro. Unklar ist, wer die Kosten trägt (VW weigert sich bislang) und wie entsprechende Zertifizierungen oder Nachweise aussehen, damit man auch offiziell von so einer Nachrüstung profitiert und doch wieder überall hin fahren kann.

  1. Kann ich mein Fahrverbots-Auto einfach verkaufen?

Grundsätzlich darf man Fahrverbot betroffene Fahrzeuge weiter verkaufen, Die Frage ist nur, wer sie kaufen will. Sechs von sieben myRight-Kunden rechnen damit, dass ihr Fahrzeug mit einem Fahrverbot quasi wertlos ist. Die letzten Monate haben bereits gezeigt, dass es nahezu unmöglich ist, Schummeldiesel zu verkaufen. Wer sein Fahrzeug doch loswird, muss oft mit massiven Wertverlust rechnen.

Und die Dieselpreise sinken rapide. Während im vorletzten Jahr noch jede zweite neuangemeldet Wagen ein Diesel war, ist es inzwischen nur noch jeder zweite.

  1. Welche Möglichkeiten habe ich jetzt?

Es gibt gute rechtliche Möglichkeiten, sich von dem Fahrzeug zu trennen, ohne einen Wertverlust zu erleiden. Insbesondere Geschädigte des VW-Abgasskandal haben sehr gute Aussichten, mit Hilfe eines myRight-Einzelverfahrens oder der myRight-Sammelklage Schadenersatz zu bekommen. Das geschieht, indem der Kauf Autos als Schaden rückabgewickelt wird. Die Betroffenen bekommen den Kaufpreis erstattet und geben den Schummeldiesel zurück.

Eine weitere Möglichkeit, es sich ohne Wertverlust von dem Fahrzeug trennen zu können, haben Autobesitzer, die den Wagen über einen Kredit finanziert haben. Sehr häufig enthalten Kreditverträge über Autokredite so massive Fehler, dass man sie widerrufen kann.

  1. Wie lange habe ich Zeit, Ansprüche anzumelden?

Betroffene des VW-Abgasskandals sollten sich beeilen. Ende 2018 verjähren die Ansprüche gegenüber VW. Ab dem 01.01.2019 kann niemand mehr hier Ansprüche geltend machen.

Bild: © Mitmachfoto– stock.adobe.com
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Kommentare:

Fragen
9. April 2018 um 19:14 Uhr

Ich bin bisher Update-Verweigerer und auch Teil der My Right Sammel-Klage. Heute bekam ich einen Brief vom KBA mit der Mitteilung, dass das KBA zum 16.7.2018 meine Daten der örtlichen Zulassungsbehörde melden wird und diese eine Stillegungsverfügung erlassen kann. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Kann ich jetzt noch per Einzelklage auf Rücknahme klagen oder soll ich nun doch das Update durchführen lassen? Vielleicht kann My Right mir einen Rat geben.
Danke im V

    myRight Serviceteam
    11. April 2018 um 16:17 Uhr

    Hallo, bitte melden Sie sich mit dieser Frage direkt bei unserer Service-Hotline oder schreiben Sie eine Mail, damit sich ein/e Expert/in direkt Ihren Fall ansehen und Rat geben kann. Viele Grüße, mR

Urland
30. März 2018 um 22:11 Uhr

Ich lasse mich seit über einem Jahr von My Rigth vertreten, doch getan hat sich auch hier nichts. Die angestrebten Sammelklagen von 20.000 Dieselbetroffenen, so gab My Rigth an, verlaufen bisher erfolglos. Letzte Info der Rechtsanwaltskanzlei war: Sie müssten sich vor Gericht mit einer befangenen VW-Rechtsverdreherin auseinandersetzen und hätten eine KLage wegen deren Befangenheit eingereicht.
Ja wo wahre Worte fehlen, verdreht unser Rechtssystem jede Wahrheit ins unendlich Fragwürdige. Ich habe wenig Hoffnung, dass auch nur ein Dieselfahrer sein Recht bekommt.
Mit jedem Tag, der verstreicht, werden sich VW und Konsorten mit ihren frechen Vorschlägen zum Abwracken und dann zum Neukauf für wahrscheinlich wieder ein Betrugsfahrzeug, durchsetzen. Dabei interssiert es sie nicht die Bohne, ob die Betroffenen sich überhaupt ein neues Auto leisten können!!
In diesem Land gibt es weder Recht noch Moral. Sehr weit zu anderen korrupten Staaten in der Welt ist Deutschland nicht mehr weit entfernt.
Skandalös all das!! und unfassbar frech.
Milliardem Gewinn hat VW und Audi gemacht. Aber anstatt einen Teil an deutsche Autobesitzer weiterzugeben, werden sich die Taschen bis zum Platzen vollgemacht, nach dem Motto, „Nach mir die Sinnflut!“

Ich habe wenig Hoffnung, dass auch nur einer von den Gesch

    myRight Serviceteam
    3. April 2018 um 11:31 Uhr

    Hallo, danke für den Kommentar. Wir sehen das gar nicht so negativ. Ja, VW kämpft mit harten Bandagen, wir brauchen Zeit, Kraft und Ressourcen und werden gegen einen Weltkonzern nicht mal eben so gewinnen. Aber alles, was wir bisher erleben ist absolut im Rahmen dessen, was man in so einem Verfahren erwarten muss. Daher wünschen wir Ihnen Mut und Zuversicht, auch wenn man eine Durststrecke überstehen muss ohne spektakuläre Neuigkeiten. Am Ende wird anerkannt werden, dass Betrug Betrug ist – da sind wir uns sicher.